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Des Teufels Geschichte von ihm selbst erzählt: Tractatus Satanicus

Tractatus Satanicus

 

Andreas Schlieper

 

 

 

Ich habe mich sehr gefreut, als ich das eBook vom Bloggerportal erhalten habe. Bereits der Klappentext hat mich sehr angesprochen und mich ein bisschen an Goethes „Faust“ erinnert. Das Buch kann meiner Meinung nach mit einem fast schon zynischen Humor und seiner Einzigartigkeit überzeugen

 

 

 

Genre: Roman / Fantasy

 

 

 

Inhalt:

 

Am Anfang schuf Gott eine perfekte, makellose Welt, um sich dann sogleich zu verabschieden. Das Licht der Erkenntnis aber brachte der Teufel zu den Menschen. Endlich bricht er jetzt sein Schweigen und erzählt seine Version vom Gang der Dinge: Er schuf den Neid als revolutionäres Prinzip. Er erfand die Wollust als unstillbaren Wunsch aller Wesen, sich zu entwickeln. Denn das Sein ist das Werk Gottes, das Werden jenes des Teufels. Er setzte die Regeln und gab den Menschen die Freiheit, selbst zu entscheiden, wohin sie gehen. Zuzeiten streben sie danach, sich und die Welt zu vervollkommnen. Der Blick auf die Weltgeschichte lässt jedoch Zweifel am Gelingen aufkommen: Vom Turmbau zu Babel über die gottfernen Irrwege des Christentums bis zur Alleinherrschaft des Götzen Mammon verdichten sich die bedrohlichen Anzeichen. Inzwischen scheint es, als habe sich der Fürst der Welt entschieden: Ohne die Menschen hat seine Schöpfung größere Chancen, vollkommen zu werden. Mit leichter Hand und überbordender Lust an der Erkenntnis bürstet Andreas Schlieper Menschheitsgeschichte gegen den Strich. Eine Lesereise durch den gewaltigen Ozean menschlicher Möglichkeiten - zwischen herrlichstem Gelingen und apokalyptischem Scheitern.

 

 

 

Charaktere und Meinung:

 

Der Teufel hat es satt, dass ihm das Unbill der Welt angelastet wird. Es wird Zeit, dass jemand seine Sicht der Dinge niederschreibt. Und dafür kommt Ghostwriter Andreas Schlieper, der Autor und Protagonist in einem verkörpert, infrage. Als B. Kaempfer stellt ihm Satan persönlich eine Auftragsanfrage. Als Schlieper zunächst ablehnen möchte, geht sein Leben nach und nach den Bach runter. Er muss aus seiner Wohnung ausziehen, Schulden türmen sich, Auftraggeber stornieren ihre Aufträge und dazu kommen furchtbare Zahnschmerzen. Diese halten an, bis Schlieper widerwillig zustimmt, B. Kaemfer zu empfanden. Und der steht auch just mitten in der Nacht in seinem Schlafzimmer.

 

Ein Vertrag wird aufgesetzt und am nächsten Tag staunt Schlieper nicht schlecht, als er in einer Anlage bemerkt, dass er seine Seele verpfändet, wenn er seine Arbeit schleifen lässt. Sollte er sich seinem Auftraggeber widersetzen oder die Schriftstücke nicht zu dessen vollster Zufriedenheit in eine moderne Schriftform bringen, drohen höllische Zahnschmerzen. Notgedrungen macht sich der Ghostwriter ans Werk und enthüllt die Geschichte der Menschheit aus einem völlig anderen Blickwinkel.

 

Das „Tractatus Satanicus“ kann vollauf durch einen einzigartigen Schreibstil überzeugen. Die Betrachtungen des Teufels selbst sind interessant und stellen die Geschichte in einem anderen Licht dar. Die Fragen der Menschheit werden humorvoll und doch tiefsinnig abgehandelt und man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Regte bereits der Prolog zum Schmunzeln an, kommen im Verlauf der Geschichte immer wieder stellen, die herrlich düsteren Humor offenbaren.

 

Allerdings sei der gewarnt, der kurzweilige Unterhaltung sucht. Ganz in Fußstapfen von Faust tretend, bedient sich der Autor einer doch sehr altertümlichen Sprache. Der Text wirkt dadurch relativ langatmig und lässt sich an manchen Stellen nur zäh lesen. Da ich aber ein Riesenfan von „Faust – Der Tragödie Erster Teil“ bin, hat mich das wenig gestört. Die vielen, vielen Fußnoten waren dann doch schon etwas lästig. Zumal Satan sich ausschweifend zu allem und jedem äußert und die Erklärungen auch noch in den Fließtext hätten einfließen können.

 

 

 

Empfehlung:

 

Für alle, die mal etwas anderes suchen und sich dafür interessieren, wie Satan persönlich zur Menschheitsgeschichte steht, ist das Buch eine Leseempfehlung. Wer auf leichte Lektüre lauert, sollte allerdings die Finger davon lassen. Und weil ich Angst habe, dass B. Kaempfer mich ebenfalls mit Zahnschmerzen straft, gibt’s von mir lobende

 

 

 

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