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Legende aus uralter Zeit: Hanyesha

Hanyesha – Eine Legende aus Iyuha

 

Verena Binder

 

 

 

Als Allererstes möchte ich mich bei der lieben Verena Binder, die mir ihr Buch als Rezi-Exemplar überlassen hat, bedanken. Als großer Fan von Legenden, Mythen und Märchen war „Hanyesha“ für mich ein Lesemuss! Ich hatte beim Lesen tatsächlich das Gefühl, eine uralte Legende erzählt zu bekommen und war von der Atmosphäre fasziniert.

 

 

 

Genre: High Fantasy

 

Seitenzahl: 132

 

 

 

Inhalt:

 

Es gibt Kreaturen, die mächtiger, größer und stärker sind als andere Wesen. Ich habe ähnliche in Welten gesehen, wo sie Häscher, Yokai oder Dämonen genannt werden. Doch hier heißen sie Jarg. Es gibt hunderte Arten von Jarg, hunderte Arten ihrer Fähigkeiten, hunderte Lebensweisen und tausende Begegnungen.
Von einer Begegnung möchte ich nun erzählen.
Eine, die uns Chahghee alle geweckt hat.
Ein Erschüttern der Erde, das beinahe den Boden aufgerissen, die Feuerberge zum Lava spucken gebracht und den Himmel herabgestürzt hätte. Zwei Jarg, so mächtig, dass die Chahghee kaum glauben mochten, dass sie solch eine Kraft erworben hatten. Göttergleich schlugen ihre Angriffe in ihrem unerbittlichen Zwist aufeinander und schlugen die Pupille der Welt in deren Auge. Ich habe gesehen, wie es so weit kommen konnte ...

 

 

 

Charaktere und Meinung:

 

Hinter Hanyesha verbirgt sich eine spannende High-Fantasy-Geschichte, die das Herz jedes Legenden-Liebhabers höher schlagen lässt. Speziell die Anlehnung an die japanische Mythologie ist abseits aller Klischees und verleiht dem Buch eine besondere Atmosphäre. Ich habe als Teenie Inuyasha und Prinzessin Mononoke geliebt und habe mich beim Lesen ein bisschen in ihre Welt versetzt gefühlt XD

 

Die Geschichte ist wunderschön erzählt und entspricht nicht den gängigen Erwartungen, was in diesem Fall sehr positiv auffällt. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Jarg. Gottheiten – Wesen, die weder Mensch noch Tier sind. Sie sind Hüter der Elemente, der Natur und des Spirituellen. Gleichzeitig verdeutlichen sie den Kreislauf des Lebens. Die Idee der Wächter ist einfach grandios und ihre Beschreibung hat mich richtiggehend verzaubert. Von riesiger Schildkröte bis zum Drachen ist alles vertreten – und auch hier sind eine ganze Menge Anspielungen an japanische Mythen und Legenden zu finden.

 

Da sich die gesamte Geschichte wie eine Legende liest, gibt es an vielen Stellen kein klassisches Gut-Böse-Denken. Beispielsweise versucht der Vater, die Mutter zu töten, weil es ihm seine Natur zu vorgibt. Er ist die Zerstörung, sie ist die Erschaffung. Eine sehr schöne Metapher. Auf den ersten Blick wirken diese Elementare so, als würden sie nicht in unsere Welt passen. Und doch tun sie es. Verena Binder animiert in ihrer Legende dazu, um die Ecke zu denken und einen Blick für die Ganzheit der Welt zu bekommen.

 

In Sachen Kreativität macht der Autorin so leicht niemand etwas vor. Fantasievolle Namen, detailreich beschriebene Settings und eine atmosphärische Grundhandlung verbinden sich zu einer meiner Meinung nach sehr lesenswerten Geschichte. Allerdings gab es für mich auch kleine Kritikpunkte. Obwohl das Layout des Buches sehr schön ist, hat mich die Schriftart stark gestört. Da die Buchstaben doch recht klein geraten und sehr geschwungen sind, waren sie für mich – die ich eine Brille trage und meist abends lese – irgendwie unangenehm. Da das sich aber nicht auf die Geschichte auswirkt, werte ich diesen Punkt nicht mit. Ich wollte ihn nur erwähnen.

 

Im Buch an sich störte mich ein wenig die wörtliche Rede, die in Legenden und Mythen ja nun eigentlich nicht vorkommt. Wäre hier mit indirekter Rede gearbeitet worden, wäre meiner Meinung nach noch mehr Authentizität gegeben gewesen. Und Kritikpunkt Nummer zwei: Von Wesen, die Jahrtausende alt sind, habe ich schon eine besondere Sprachatmosphäre erwartet. Natürlich müssen sie nicht hochgestochen sprechen, aber eine Besonderheit, die sie von anderen Wesen abheben, hätte der Geschichte gutgetan.

 

Da das gesamte Buch sehr geheimnisvoll und mythisch aufgebaut ist, hätte ich einen auktorialen Erzähler ganzheitlich ebenfalls gutgefunden. Durch den Perspektivwechsel wurde die Geschichte, die ansonsten sehr ruhig und fließend ist, aufgewühlt. Zeitgleich hätte ich es besser gefunden, wenn die Jarg für den Leser ein Geheimnis geblieben wären – jedenfalls ihr Innenleben. Für mich macht es die Legende ein wenig kaputt, wenn ich die geheimsten Gedanken eines überirdischen Wesens nachvollziehen soll. Diese Kritikpunkte sind natürlich nur meine persönliche Meinung und fallen bei anderen Leser vielleicht weniger oder gar nicht ins Gewicht.

 

 

 

Empfehlung:

 

Insgesamt empfand ich Hanyesha als sehr gelungene Erzählung, die auf dem schmalen Grat zwischen High Fantasy und Legende balanciert. Für alle, die japanische Mythologie sowie naturalistische Legenden lieben ist Verena Binders Buch eine klare Leseempfehlung. Aufgrund meiner kleinen Kritikpunkte muss ich allerdings ein halbes Pünktchen abziehen.

 

 

 

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