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Dunkel. Düster. Lesenswert: Forever Yours - Gefangen. Sein.

Forever Yours – Gefangen. Sein.

 

Morgan Stern

 

 

 

Als allererstes ein großes Dankeschön an Morgan Stern, die mir ihr Buch als Rezi-Exemplar zur Verfügung gestellt hat. Das hat keinen Einfluss auf meine persönliche Meinung. Ich habe von der ersten bis zur letzten Minute an der Geschichte geklebt und kann sie nur weiterempfehlen.

 

 

 

Genre: Roman 

 

Seitenzahl: 320

 

 

 

Inhalt:

 

Mira und der aufstrebende Rockstar Ryan lernen sich im Internet kennen. Aus anfänglicher Sympathie wird tiefe Vertrautheit, welche beide genießen. Doch dann wird Ryans Band über Nacht berühmt und die Geheimnisse, die er Mira anvertraut hat, drohen, die hart erarbeitete Karriere zu zerstören. Er fühlt sich gezwungen zu handeln. Mira muss WEG – ein Profikiller soll ihm dabei helfen. Aber dann ereilen Ryan Zweifel, muss es denn gleich ihr Tod sein? Beflügelt vom Gedanken der Macht und Kontrolle über sie, schmiedet Ryan einen perfiden Plan. Er will sie besitzen, ganz und gar. Für immer. Sein.

 

 

 

Charaktere und Meinung:

 

Zunächst muss ich anmerken, dass ich mich wahnsinnig auf das Buch gefreut habe. Ich mag Thriller und finde Entführungsfälle (in Büchern selbstverständlich) sehr spannend. Ich muss sagen, dass die Geschichte anders als erwartet war, mich dadurch aber umso mehr fasziniert hat. Aber von Anfang an: Bereits auf der ersten Seite werden wir direkt in die Story geworfen. Keine Vorgeschichte, kein Geplänkel, sondern sofortige Spannung. Genau mein Ding. Wir erleben, wie Ryan Mira in einen Transporter lockt und mit vorgehaltener Waffe bedroht. Er entführt sie und hält sie in seiner Villa gefangen. Dabei geschieht das, was in fast allen Romanen mit dieser Grundidee passiert – Fluchtversuche, Angst, Annäherung, Missverständnisse.

 

Mir hat die Darstellung von Ryan unglaublich gut gefallen. Zwar wird nie direkt erklärt, was Mira angeblich gegen ihn in der Hand hat (oder ich habs nur nicht verstanden), doch er glaubt fest daran, dass ihre Entführung sein einziger Ausweg ist. Zwischendurch scheint sich sein Gewissen zu melden, das er mit Alkohol ertränkt. Immer wieder beschreibt die Autorin, wie sehr Ryan seine Machtposition genießt. Er liebt Miras Hilflosigkeit und fühlt sich ihr überlegen. Dadurch bekämpft er seine inneren Ängste. Obwohl ich finde, dass die gesamte Entführung noch sehr zahm dargestellt wird. Es gibt zwar leichte Gewaltszenen sowie eine Vergewaltigung, jedoch wird alles eher angerissen. Daher brauchen zartbesaitete Seelen keinen Schockeffekt zu befürchten. Manchmal hatte ich leider das Gefühl, nach gesteigerter Spannung in der Luft hängen gelassen zu werden. Beispielsweise fesselt Ryan Mira „um mit ihr zu spielen“. Sie weint, er flucht und geht. Da hatte ich schon ein Fragezeichen über dem Kopf. Ich verstehe, dass die Autorin seine Widersprüchlichkeit betonen wollte, aber leider kam mir dieser plötzliche Spannungsabbruch zu häufig im Buch vor.

 

Mit Mira konnte ich mich sowieso nicht wirklich anfreunden – oder besser gesagt, mit ihrem Verhalten. Als Entführungsopfer war sie mir nicht glaubwürdig genug. Ja, sie hat Angst und weint. Dennoch kann sie es nicht lassen, Ryan zu provozieren, patzige Antworten zu geben oder ihn mit Fragen zu löchern. Sie hinterfragt jede Anweisung – eine dumme Idee, wenn ihr gerade eine Waffe an die Stirn gehalten wird. Das war mein größtes Problem mit ihr – das ständige Wimmern, Betteln und Fragen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie ihren Mut zusammennimmt, Ryan scheinbar seinen Willen lässt und clever nach einem realistischen Fluchtweg sucht. Kurz gesagt, persönlich fand ich ihr Verhalten unüberlegt und voreilig – an einigen Stellen sogar kindisch.

 

Und dann gibt es noch Jeff – eigentlich Ryans Handlanger, schlussendlich der Bösewicht, der gern seine Macht an Schwächeren auslässt. Aber immerhin hat er dafür gesorgt, dass Ryan Stellung beziehen musste. Wenigstens für einen Moment.

 

So viel zu den Charakteren. An der Geschichte selbst gibt es ebenfalls einige Stellen, die mich irritiert haben. Als Entführer würde ich mein Opfer nicht mit in eine Gaststätte nehmen. Als Entführungsopfer würde ich meinem Entführer nicht in den Ohren liegen, dass mir langweilig ist. Oftmals kam mir Mira deutlich zu naiv und handlungsunfähig vor. Trotzdem habe ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen und war – wie Mira an einigen Stellen – wirklich gefesselt. Und ich möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Darum freue ich mich schon auf die Fortsetzung.

 

 

 

Empfehlung:

 

Ich habe doch länger überlegt, welche Bewertung ich für „Forever Yours“ angemessen finde. Die Grundidee trifft voll und ganz meinen Geschmack. Ryan wurde perfekt und tiefsinnig dargestellt. Nur Mira kam mir häufig wie ein überfordertes, naives Mädchen vor. Ihre voreiligen Handlungen sowie ihr Verhalten ihren Entführern gegenüber haben mir als Leserin nicht zugesagt. Zwar wird sie mehrmals als „stur“ und „stark“ beschrieben. Ich empfand sie jedoch als trotzig (in einer Entführungssituation nicht unbedingt die schlauste Entscheidung). Anstatt die Situation abzuwarten, schweigend zu beobachten und einen Plan auszutüfteln, war sie unnötig provokativ (durch ihre Fragen und das Hinterfragen) und hat sich das Leben selbst schwer gemacht. Schlussendlich kam ich zu dem Ergebnis, dass ich vielleicht zu viel von Mira erwarte. Obwohl ich ein winziges Viertelpünktchen wegen ihr abziehe, klingt vierdreiviertel Punkte natürlich doof. In der Gesamtheit daher trotz Mira-Schwierigkeiten:

 

 

 

Fünf von Fünf Literaturia-Sternchen

 

 

 

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