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Wogende Finsternis - zwischen Dracula und Die kleine Meerjungfrau

Wogende Finsternis

 

Ava Blum

 

 

 

Genre: Fantasy

 

Seitenzahl: 90

 

 

 

Erster Eindruck:

 

Der erste Eindruck ist bei „Wogende Finsternis“ positiv. Das düster-fantastische Cover sieht professionell gestaltet aus und weckt erste Neugierde. Persönliche habe ich das kurze und dennoch unterhaltsame Buch in einer Nacht durchgelesen.

 

 

 

Inhalt:

 

In „Wogende Finsternis“ lernen die Leser Adriano, einen Frauenheld und Lebemann kennen. Der Adelsspross genießt sein Leben und nutzt sein gutes Aussehen, um das zarte Geschlecht zu verführen. In einer solchen Situation treffen wir ihn zum ersten Mal an. Er verfolgt seine neuste Eroberung in das Labyrinth, das auf dem Anwesen seines Vaters steht. Jedoch sind die Turteltauben nicht allein. Ein Fremder greift Adrianos Gespielin an und stielt ihr Blut. Auf einen Blick weiß unser Hauptcharakter, dass er an einen Vampir geraten ist.

 

Ein Entkommen ist unmöglich und Adriano wird ebenfalls zu einem Geschöpf der Finsternis. Damit endet Kapitel 1, das für mich eher wie der Prolog wirkte. Anschließend folgt ein Zeitsprung und wir begleiten Adriano bei der Suche nach seiner nächsten Mahlzeit. Von seinem Schöpfer trennte sich der Vampir, um sich nun in Opiumhöhlen das Gewissen zu betäuben. Auf die Weise fühlt er keine Schuld, wenn er Unschuldige tötet, um ihr Blut zu trinken. Vorzugsweise treibt er sich in dunklen Gegenden herum, um Huren und Betrunkenen aufzulauern.

 

Eines Nachts jedoch greifen ihn Vampirjäger an, denen Adriano entkommen kann. Daraufhin beschließt er, seinen Aufenthaltsort zu ändern. Er bezahlt eine Passage auf einem Schiff nach Lissabon, doch der Kapitän betrügt ihn. Er und seine Mannschaft werfen den Sarg, in dem der Vampir standesgemäß nächtigt, über Bord. Mit letzter Kraft gelingt es Adriano, sich aus seinem hölzernen Gefängnis zu befreien. Im Meer trifft er auf die Sirenen – Sagengestalten, die Meerjungfrauen ähneln. Durch einen Fluch sind sie dazu verdammt, alle Seeleute zu töten. Daher locken sie diese mit ihrem Gesang in den Tod.

 

Doch die Sirene Fey entscheidet sich gegen dieses Leben. Sie wünscht sich von Herzen Beine. Adriano und sie verlieben sich ineinander. Doch scheinbar treibt die Sirene mit ihm ein falsches Spiel. Sie versucht, den Vampir zu vergiften und nur Xenia, Feys Schwester, nimmt sich seiner an. Adriano merkt schnell, dass die Sirene ihn mit aller Macht für sich gewinnen will und auch vor Verrat nicht zurückschreckt. Jedoch missbilligt er die Gier der Sirenen und versucht, seine Liebste erneut für sich zu gewinnen. Mit einem Happy End wartet „Wogende Finsternis“ zwar nicht auf, dafür ist das Ende stimmig.

 

 

 

Charaktere und Meinung:

 

Die ersten Sätze des Buches haben meine Neugier geweckt. Ein Lebemann, ein Labyrinth, eine Jagd. Allerdings muss ich sagen, dass die Geschichte für mich sehr schnell vorhersehbar wurde. In der Dunkelheit lauert ein Vampir, der Adriano ebenfalls in die Welt der Finsternis zieht. Dieser hadert mit seinem Schicksal – ähnlich wie der Hauptcharakter in „Interview mit einem Vampir“.

 

Im Gegensatz zu diesem, bleibt Adriano jedoch nicht bei seinem Schöpfer, sondern sucht nach geeigneten Opfern. Statt die Süchtigen in den Opiumhöhlen von ihrem Schicksal zu befreien, lauert er Huren auf. Warum er sich ausgerechnet an diesen vergreift, bleibt unklar.

 

Obwohl Adriano ein Mörder ist – immerhin schneidet er einem Mann die Kehle durch, bevor er merkt, dass ihm dessen Blut doch nicht mundet – fühlt er sich scheinbar moralisch überlegen. Im Verlauf des Buches wirft er den Sirenen Gier vor, die sie alt und hässlich macht. Dabei scheint er seine eigene Blutgier zu verdrängen.

 

Diese Charaktereigenschaften fand ich an Adriano nicht ganz so sympathisch.

 

Zudem hätte ich mir mehr Hintergrundinformationen über die Hauptcharaktere gewünscht. Obwohl das Buch recht kurz ist, hätte ich mich über eine detailreichere Charakterbeschreibung / Hintergrundgeschichte gefreut.

 

Die Sirenen wünschen sich mit aller Macht Beine, was ein bisschen an die kleine Meerjungfrau erinnert. Die Hintergrundgeschichte – der Fluch, der sie zum Töten zwingt – war ein Lichtblick, hätte aber auch mehr beleuchtet werden können.

 

Insgesamt sind mir mehrere lustige Klischees aufgefallen. Der Vampir im Sarg war ganz lustig. Bei der Überfahrt mit dem Schiff fühlte ich mich sogar an Dracula erinnert.

 

Auch die beiden Sirenenschwestern Fey und Xenia stellten die typischen zwei Seiten der Medaille dar. Die eine gut, die andere böse.

 

Natürlich gibt es noch weitere positive Aspekte. Zunächst gefällt mir, dass die Autorin aus Sicht von Adriano schreibt. Die Sicht eines Vampirs ist interessant und bietet zahlreiche Möglichkeiten. Zudem bedient sich Ava Blum einer sehr bildgewaltigen, melodischen Sprache. Es macht Spaß, das Buch zu lesen und sich in ihre Welt entführen zu lassen. Abgesehen von ein paar Begriffen und Aussprüchen, die meiner Meinung nach nicht ganz so gut gepasst haben, bekommt die Sprachgestaltung von mir ein großes Lob.

 

Der dritte Pluspunkt geht an das Ende. Endlich kein schmalziges Happy-End, krampfhaft auf „wenn sie nicht gestorben sind“ ausgelegt. Nein, hier zeigt die Autorin ihr ganzes Potenzial und gewährt ihrem Helden eine Erlösung seiner Seele. Damit seien auch die kleinen Klischees im Verlauf der Geschichte verziehen.

 

 

 

Empfehlung:

 

„Wogende Finsternis“ eignet sich für Fans von Vampiren und entspannender Fantasy-Lektüre. Als kleiner Snack zwischendurch oder extravagante Gute-Nacht-Geschichte macht das Buch eine gute Figur. Vielleicht keine nervenaufreibende Dark-Fantasy, aber durchaus eine gelungene, kleine Geschichte.

 

 

 

Vier von Fünf Literaturia-Sternchen

 

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