· 

Rezi zu Paper Swan - Ich will dich nicht lieben

Paper Swan – Ich will dich nicht lieben

 

Leylah Attar

 

 

 

Genre: übergreifend

 

Seitenzahl: 400

 

 

 

Erster Eindruck:

 

Als erstes beeindruckt der Schreibstil der Autorin. Leylah Attar schafft es, den Leser direkt in die Geschichte und mit Skye zusammen in den Kofferraum eines Autos zu katapultieren. Die Entführung wirkt rabiat, schnell und authentisch – und die Spannung beginnt schon ab der ersten Seite. Skyes Gedankengänge verleihen der Story die richtige Würze und die Rückblenden in Estebans Leben sorgen für die verschiedenen Blickwinkel. Diese Rundumsicht verleiht dem Buch eine ganz besondere Energie. Allerdings überschlagen sich die Ereignisse an einigen Stellen doch sehr schnell. Zudem empfand ich persönliche einige Handlungsstränge als surreal. Vorwiegend Skyes schnelles Einknicken und die ersten romantischen Gefühle waren für mich fehl am Platz. Daher bekommt der Roman eine Leseempfehlung mit kleinem Punktabzug.

 

 

 

Inhalt:

 

Den Inhalt fasst Amazon ganz gut zusammen: Als Skye Sedgewick im stickigen Kofferraum eines fahrenden Autos aufwacht, rechnet sie mit ihrem sicheren Tod. Doch ihr Entführer lässt sie am Leben und verschleppt Skye stattdessen auf ein kleines Boot, wo er sie mehrere Wochen gefangenhält - Wochen voller Hunger, Demütigung, Schmerz und Angst. Auf hoher See und ohne Ziel hat Skye bald alle Hoffnung verloren, dass man sie findet und befreit. Und mit jedem anbrechenden Tag sehnt sie sich mehr nach Erlösung. Sie kann an nichts anderes mehr denken als den Tod - und an Esteban, den wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Als Kinder waren sie einst unzertrennlich, bis Esteban von einem Tag auf den anderen einfach aus ihrem Leben verschwand. Skyes größter Wunsch war es, ihn eines Tages wiederzusehen, doch diese Hoffnung stirbt mit jedem Blick in die eiskalten Augen ihres Peinigers. Bis Skye erkennt, dass sie sich in diesen Augen schon einmal verloren und ihr Entführer sie nicht zufällig ausgewählt hat…

 

 

 

Es geht um einen verlorenen Kindheitsfreud, Rache und eine widersprüchliche Liebe, geknüpft unter unmöglichen Bedingungen.

 

 

Charaktere und Meinung:

 

Die Autorin hat sehr plastische Protagonisten erschaffen. Skye und Esteban/Damian zeigen ihre verschiedenen Facetten, die sie menschlich machen. Zunächst ist Skye verwirrt und ängstlich. Für meinen Geschmack vielleicht sogar etwas zu passiv. Sie lässt viel mit sich geschehen und scheint sich von ihrem zunächst unbekannten Entführer brechen zu lassen. Demütigungen nimmt sie klaglos hin. Dann kommt ihr Widerstandsgeist zu Wort, eine unbedachte Reaktion und Puff – wieder ist der Mut verschwunden. Zwar wirkt sie dadurch wie ein authentisches Entführungsopfer, aber von einer mutigen Heldin hätte ich mir irgendwie mehr Pepp gewünscht.

 

Damian wirkt am Anfang wie ein kalter, grausamer Bastard, der an Skye seinen – vorerst nicht nachvollziehbaren – Rachedurst stillt. In Rückblenden erfahren wir von seiner schlimmen Kindheit, seit MaMaLu, seine Mutter und Haushälterin bei Skyes Vater, versehentlich in ein Treffen ihres Arbeitgebers platzt und damit der Mafia in die Quere kommt. Auf perfide Art entledigt sich der mächtige Hotelbesitzer der Zeugin und flieht anschließend mit seiner Tochter aus Mexiko. Damian konnte beiden den Verrat und den Tod seiner Mutter nie verzeihen.

 

Er entscheidet sich, Skye zu entführen, um ihren Vater leiden zu lassen. Dementsprechend behandelt er sie furchtbar und zuweilen sogar brutal (immerhin schneidet er ihr einen Finger ab). Zwar kann er sie aufgrund der gemeinsamen Kindheitserinnerungen nicht töten, trotzdem wirkt die Beziehung der beiden von einer teils elektrisierenden, teils verstörenden Spannung gezeichnet.

 

Erst eine grausame Entführung, dann kommen plötzlich Gefühle bei Skye auf. Sie findet Damian attraktiv und versucht sogar, ihn zu verführen. Das passt meiner Meinung nach nicht wirklich zu einem traumatisierten Entführungsopfer. Auch als endlich Damians Beweggründe ans Licht kommen, bleibt die Atmosphäre zwischen beiden seltsam. Eine Mischung aus Angst, Rachsucht und einer unmöglichen Liebe. Durch diese Gegensätze wusste ich an manchen Stellen nicht, ob ich die Geschichte gut oder schlecht finden sollte.

 

Auf jeden Fall ist das Buch eine Achterbahnfahrt. Erst katapultiert die Geschichte einen nach oben, dann knallt man auf den Boden der Tatsachen. Wieder ein Looping aus Spannung, dann wieder eine magenverknotende Drehung in die nächste Genrerichtung. Das Verhältnis von Spannung und Erotik war zwar nicht immer stimmig, im Großen und Ganzen faszinieren aber Story und Schreibstil.

 

 

 

Vier von Fünf Literaturia-Sternchen

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0