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Rezi zu Iny Lorentz: Tage des Sturms

Tage des Sturms

 

Iny Lorentz

 

 

 

Als großer Iny-Lorentz-Fan habe ich mich sehr auf den neuen Roman gefreut und ihn schon vor Weihnachten vorbestellt. Als er endlich ankam, juckte es mich in den Fingern, um endlich damit zu beginnen. Aber wie das immer so ist, kommt ständig etwas dazwischen. Jetzt habe ich es endlich geschafft, dem Buch die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Hier könnt ihr einen Blick auf den Klappentext werfen:

 

Genre: Historischer Roman

 

Seitenzahl: 616

 

Verlag: Knaur

 

 

 

Erster Eindruck:

Vom Schreibstil her wieder eine gelungene Leistung, die einfach Spaß beim Lesen macht. Für ein paar freie Tage eignet sich „Tage des Sturms“ super als Unterhaltung. Und für alle Fans Historischer Liebesromane ist das Buch eine empfehlenswerte Ergänzung im Bücherschrank

 

Inhalt:

In „Tage des Sturms“ geht es um die junge Magd Resa, die als uneheliches Kind des Freiherrn von Steden unter dessen herrschsüchtiger Frau leidet. Diese lässt keine Möglichkeit aus, um das Mädchen zu schikanieren. Auch Resas Mutter muss den Hass von Rodegard von Steden ertragen. Die Situation scheint aussichtslos, bis der reiche Fabrikant Gerbrandt um Resas Hand anhält. Eine Tatsache, die Rodegard zur Weißglut treibt, will sie doch ihre Tochter Liebgard mit dem wohlhabenden Nachbarn vermählen. Also beschließt sie, Resa zu beseitigen. Dabei schreckt sie auch vor Verrat und Mord nicht zurück.

 

Durch die Intrigen ihrer Herrin wird Resa in ein Bordell nach Berlin verschleppt, in dem sie als Hure anschaffen soll. Obwohl sie sich weigert, sich in ihr Schicksal zu fügen, bleibt ihr letztendlich keine Wahl. Dabei lernt sie den sanftmütigen Adolar und seinen Freund Friedrich kennen. Durch eine List gelingt es der klugen jungen Frau, Friedrich zu einer Hochzeit zu zwingen. Dadurch bekommt sie seinen guten Namen und kann dem Leben aus Elend und Schande entfliehen. Obwohl sie schnell wieder die Scheidung aus der Scheinehe anstrebt, kommt es anders als gedacht. Schließlich hat es sich Friedrichs Vater, ein wohlhabender Fabrikbesitzer, in den Kopf gesetzt, die außergewöhnlich schöne Resa als Schwiegertochter zu behalten. Jedoch weiß er noch nicht, dass diese nicht nur ein uneheliches Kind, sondern auch eine gefallene Frau ist…

 

Charaktere und Meinung:

Wie immer war es für mich ein Vergnügen, in die Welt von Iny Lorentz einzutauchen. Das Autorenpaar zieht den Leser durch die bildhafte Sprache direkt ins Geschehen.

 

Resa, mutig und schön, war mir sofort sympathisch. Obwohl sie Hass und Missgunst ertragen muss, behält sie sich ihren stolz und bleibt gutherzig und freundlich. Ihre außergewöhnliche Schönheit bringt ihr viele Nachteile, beispielsweise den Neid anderer Frauen und die Besitzgier aufdringlicher Männer. Resa ist nicht auf den Kopf gefallen und nutzt jede Chance, um ihr Schicksal zum Guten zu wenden. Dabei übertritt sie zwar das Gesetz, doch das geschieht nur aus der Not heraus. Damit ist sie eine typische Heldin aus dem Iny-Lorentz-Universum.

 

Der männliche Hauptcharakter Friedrich kam mir dagegen etwas zaghaft, fast schon feige vor. Sein selbstbewusster Vater muss die meisten Entscheidungen für ihn treffen und hält früher zu Resa als sein Sohn. Das fand ich doch etwas schade. Normalerweise sind die männlichen Helden in den Iny-Lorentz-Büchern doch etwas standhafter und charakterfester.

 

Was die Bösewichte angeht, hat das Autorenpaar ganze Arbeit geleistet. Rodegard und ihre Helfershelfer vereinen alle schlechten Eigenschaften, die man sich vorstellen kann. Dabei bleibt aber die ganze Zeit über klar, dass die Freifrau alle Fäden in der Hand hält. Blind vor Hass und Rachsucht schreckt sie nicht davor zurück, ihre eigene Familie zu entzweien, um Resa und ihrer Mutter zu schaden. An manchen Stellen möchte man am liebsten ins Buch steigen und Rodegard von Steben vor Wut die Hände um den Hals legen.

 

Zwar war auch dieses Buch wieder lesenswert, hat mich aber leider nicht so begeistert wie ich es erwartet habe. Leider empfand ich viele Teile der Geschichte als Parallele zur „Wanderhure“. Das hat mir den Reiz an „Tage des Sturms“ ein bisschen verleidet. Obwohl beide Romane in anderen Zeiten spielen, ist das Grundgerüst der Handlung sehr ähnlich. Vielleicht störe nur ich mich daran, aber aus dem Grund fehlte mir der Spannungsfaktor. Zudem habe ich mich oft über Friedrichs Schwäche geärgert. Er wirkt mehr wie ein Nebencharakter und bleibt meiner Meinung nach das ganze Buch über recht blass. Dafür wirkt sein Vater umso kompetenter und charakterstärker.

 

Empfehlung:

Wer sich nicht an gewissen Parallelen zu anderen Romanen von Iny Lorentz stört, kann getrost zu „Tage des Sturms“ greifen. Für unterhaltsame Stunden lohnt sich das Buch allemal. Von mir bekommt es:

 

 

Vier von Fünf Literaturia-Sternchen

 

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